Wirkungen

Bei den pädagogischen Fachkräften

Seit Herbst 2017 bietet das „Haus der kleinen Forscher“ erstmals Informatikfortbildungen für Pädagoginnen und Pädagogen aus Kitas, Horten und Grundschulen an. Mit diesem Bildungsangebot erhalten pädagogische Fach- und Lehrkräfte vielfältige Anregungen und Praxisbeispiele und werden dabei unterstützt, informatische Bildung gemeinsam mit Kindern umzusetzen. Um mehr über die Wirkungen dieses Bildungsangebots zu erfahren, hat die Stiftung im Frühjahr 2018 eine qualitative Fortbildungsevaluation durchgeführt. Hierzu wurden die teilnehmenden pädagogischen Fachkräfte zu verschiedenen Zeitpunkten vor und nach dem Besuch der Informatikfortbildung befragt. Die Befragungsergebnisse zeigen Veränderungen im informatikbezogenen Wissen und den pädagogischen Handlungsstrategien, bewirkt durch den Besuch der Fortbildung.

Was sind die wichtigsten Erfahrungen während der Fortbildung?

Welche Erfahrungen können Veränderungen bewirken und Wissen erweitern? Um dies herauszufinden, wurden alle Fachkräfte unmittelbar nach der Fortbildung gefragt, ob sie Erfahrungen gemacht haben, die sie als „Aha-Erlebnis“ bezeichnen würden.

Zu den drei wichtigsten Erfahrungen der befragten Fachkräfte zählen:

  • Informatik ist bereits Alltag: „(…) dass Informatik alltäglich auftaucht und nicht immer etwas mit ‚digital‘ zu tun hat“.

  • Informatische Bildung geht auch ohne Computer: „Wieviel Informatik man ohne PC mit den Kindern ‚erspielen‘ kann“.

  • Informatische Bildung ist einfach umzusetzen: „Mit welchen einfachen Mitteln Informatik erklärt und erlebt werden kann“.

Wie verändern sich die Einstellungen, die Motivation und das Wissen der Fachkräfte?

Die neun befragten Fachkräfte wurden vor und nach dem Besuch der Fortbildung um ihre Zustimmung zu verschiedenen Aussagen gebeten. Der Vergleich der Antworten deutet auf Veränderungen in den Einstellungen, der Motivation und im Wissen der Pädagoginnen und Pädagogen hin.

Die Fachkräfte empfinden beispielsweise durch den Besuch der Fortbildung eine stärkere Verbindung zu Informatik in ihrem Alltag und sie trauen sich nach dem Fortbildungsbesuch mehr als davor zu, mit Kindern gemeinsam Informatik zu entdecken.

Zustimmung zu zwei ausgewählten Aussagen (n = 9):

„Mit Informatik habe ich in meinem Alltag viel zu tun“

Zustimmung vor der Fortbildung: 56%
Zustimmung nach der Fortbildung: 78%

„Mit meinem Vorwissen traue ich mir zu, mit Kindern gemeinsam Informatik zu entdecken“

Zustimmung vor der Fortbildung: 56%
Zustimmung nach der Fortbildung: 89%

Außerdem erleben die Fachkräfte mit dem Besuch der Fortbildung einen Wissenszuwachs. Sie kennen nun wichtige Fachbegriffe der informatischen Bildung und sie haben viele Ideen zur alltagsnahen Umsetzung früher informatischer Bildung in der Kita.

Zustimmung zu zwei ausgewählten Aussagen (n = 9):

„Ich weiß, was der Begriff ‚Algorithmus‘ bedeutet“

Zustimmung vor der Fortbildung: 56%
Zustimmung nach der Fortbildung: 100%

„Ich habe viele Ideen, wie ich Kindern Informatik im Alltag näher bringen kann“

Zustimmung vor der Fortbildung: 33%
Zustimmung nach der Fortbildung: 100%

Wie verändern sich die pädagogischen Handlungsstrategien der Fachkräfte?

In der Befragung wurde, neben der Selbsteinschätzung des informatikbezogenen Wissens, die Fachkompetenz der Pädagoginnen und Pädagogen über eine weitere Frage erhoben. Im direkten Anschluss an den Besuch der Fortbildung wurden die anwesenden Fachkräfte gebeten, wiederzugeben, wie sie einem fünfjährigen Kind das Prinzip eines „Algorithmus“ nahebringen würden:

Ausgewählte Stimmen der befragten Fachkräfte:

  • „An einem Beispiel (…) wie Händewaschen den Ablauf auseinanderdividieren.“
  • „Es ist ein immer gleicher Arbeitsablauf, zum Beispiel den Tisch decken, Hände waschen.“
  • „Eine Alltagssituation, z. B. Zähneputzen, die immer gleich abläuft."

Die Antworten der Befragten zeigen, dass die Fachkräfte nach dem Fortbildungsbesuch eine Vorstellung davon entwickeln, was ein Algorithmus ist und wie sie einem Kind dieses bedeutende Prinzip der informatischen Bildung alltagsnah erfahrbar machen können.

Wie haben die Fachkräfte die Veränderungen selbst wahrgenommen?

Veränderungen im Wissen, in den Einstellungen und der Motivation werden von den Fachkräften auch aus eigener Erfahrung berichtet:

  • Nach der Fortbildung empfinden die pädagogischen Fachkräfte mehr Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten. Informatik ist nun viel selbstverständlicher geworden, gleichzeitig ist die Motivation, sich weiter mit dem Thema zu beschäftigen, gestiegen.
  • Wichtige Wissenslücken wurden geschlossen. Das neu erworbene Wissen kann gezielt eingesetzt werden, um im Alltag mit Kindern informatische Bildung zu entdecken.
  • Ein wichtiger Aspekt ist auch die Kommunikation mit den Eltern: Die Fachkräfte fühlen sich durch den Besuch der Informatikfortbildung nun kompetent genug, um Ängsten und Vorbehalten bei Eltern gegenüber der Nutzung digitaler Geräte in der Kita zu begegnen.

Noch mehr Wirkungen?

Im Herbst 2019 erscheint der Monitoring-Bericht 2018/2019 und präsentiert der interessierten Öffentlichkeit weitere Befunde aus Wirkungsevaluation und Monitoring. Einen Schwerpunkt im Monitoring-Bericht bilden die Ergebnisse verschiedener Längsschnittuntersuchungen zu den Wirkungen des Stiftungsangebots. Die Befunde zeichnen die professionelle Entwicklung der pädagogischen Fach- und Lehrkräfte nach, identifizieren Wirkungen einzelner Bildungsangebote und thematisieren Herausforderungen bei der Umsetzung früher MINT-Bildung für nachhaltige Entwicklung pädagogischen Alltag.

Im Jahresbericht 2017 der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ befindet sich zudem eine Zusammenfassung der unabhängigen wissenschaftlichen Erhebungen „EASI Science“ (Early Steps into Science) und „EASI Science-L“ (Early Steps into Science and Literacy) in Hinblick auf die Wirkungen der Stiftungsangebote bei den Pädagoginnen und Pädagogen (vgl. Band 10 der Wissenschaftlichen Schriftenreihe der Stiftung).